Das Thema der künstlichen Intelligenz ist gekommen um zu bleiben – und schon haben die ersten Führungskräfte die Befürchtung, dass sie durch die KI„wegrationalisiert“ werden. Aber ist das überhaupt möglich? Oder ist es nicht vielleicht sogar eine großartige Chance, mit passenden KI-Tools den Führungsalltag zu entschleunigen? Darüber spreche ich mit Roman Eckschlager. Er ist Unternehmens-und KI-Strategieberater und bringt über 20 Jahre Erfahrung in Strategie, Sales und Marketing mit.

Katharina: Lieber Roman, ganz herzlichen Dank,dass du dir die Zeit für unser Interview zum Thema KI und Führung nimmst. Lass uns direkt einsteigen: Für unsere Leser*innen ist es sicher interessant zu wissen, warum ich genau dich als Gesprächspartner gewählt habe.

Roman: Gute Frage! Mein Hintergrund liegt in der KI-Strategieberatung. Ich habe viele Jahre in der Geschäftsführung gearbeitet, Strategien entwickelt und vor allem auch umgesetzt. Nun liegt mein thematischer Schwerpunkt in der KI-Strategieberatung, denn gerade dort benötigen Unternehmen Unterstützung. Sie fragen sich: Wie setze ich KI sinnvoll ein? Wie implementiere ich sie? Und wo fange ich überhaupt an? Meine Aufgabe ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, eine durchdachte KI-Strategie zu entwickeln und Führungskräfte darauf vorzubereiten.

Katharina: Das bringt mich gleich auf eine Frage, die ich mir schon länger stelle: KI kann Daten analysieren, Prognosen erstellen und Entscheidungen vorbereiten – wo siehst du die Grenze zwischen hilfreicher Unterstützung und der Übernahme der Verantwortung für Handlungen?

Roman: Ganz klar: KI trägt niemals Schuld. Wir Menschen neigen dazu, nach Schuldigen zu suchen, aber KI besteht letztlich nur aus Algorithmen, die programmiert wurden. Zwischen Eingabe und Ausgabe gibt es oft eine Blackbox, die selbst Expert*innen nicht immer vollständig durchschauen.

Deshalb ist es essenziell, den Menschen in den Entscheidungsprozess einzubinden – das nennt man Human in the Loop. Die letzte Entscheidung sollte immer beim Menschen liegen.

Führungskräfte müssen verstehen, dass KI ein Werkzeug ist – ein mächtiges, aber kein selbstständiges.

Wenn das gelingt, wird auch klar, dass KI keine Jobs ersetzt, sondernMenschen unterstützt.

Katharina: Ein spannender Punkt! Aber was bedeutet Führung in einer digitalisierten Welt? Wenn die digitaleTransformation gelungen ist, was bleibt dann noch von „echter“ Führung?

Roman: Ich sehe das positiv: Je weiter Technologie voranschreitet, desto wichtiger wird das Menschliche.

Führung bedeutet, empathisch zu sein,sich den Mitarbeitenden zuzuwenden und ihre Bedürfnisse zu verstehen.

Alles, was KI übernehmen kann, wird sie tun – aber Zwischenmenschlichkeit bleibt eine rein menschliche Fähigkeit. Deshalb sollten Führungskräfte sich auf die „4K“ konzentrieren, die die Forscherin Martina Gaisch formuliert hat:

  • Kommunikation
  • Kreativität
  • Kritisches Denken
  • Kollaboration

Diese Fähigkeiten machen in Zukunft den Unterschied.

Katharina: Das finde ich sehr wichtig! Gleichzeitig sehen wir immer mehr KI-gestützte Coaching-Tools, die Feedbackgeben oder Persönlichkeitsanalysen erstellen. Fördert sie wirklich die Selbstreflexion– oder bestätigen sie eher nur, was Nutzende ohnehin hören wollen?

Roman: Das kommt darauf an. Einerseits kann KI objektiver sein als Menschen,weil sie keine Emotionen hat. Beispielsweise gibt es das Thomas-Syndrom – wir neigen dazu, Menschen einzustellen, die uns ähnlich sind. Eine gut programmierte KI würde diesen Bias vermeiden.

Andererseits hängt alles von der Qualität der Daten ab. Wenn die KI mit voreingenommenen Daten trainiert wurde, wird sie ebenfalls voreingenommene Entscheidungen treffen. Auch die Werte und Vorurteile der Programmierenden spielen eine Rolle. Deshalb bleibt es dabei:

KI kann ein wertvolles Werkzeug sein,aber die kritische Prüfung durch den Menschen ist unerlässlich.

Katharina: Gibt es eine Art „Best Practice“ für Unternehmen, die KI einführen möchten? Welche strategischen Überlegungen sind wichtig? Und welche typischen Fehler siehst du?

Roman: Es bringt nichts, die leistungsfähigste KI zu implementieren, wenn sie niemand bedienen kann. Deshalb braucht es Schulung auf allen Ebenen – von den Mitarbeitenden bis zur Geschäftsführung. 

Vier zentrale Säulen sind dabei entscheidend:

Katharina: Was würdest du der nächsten Generation im Umgang mit KI mit auf den Weg geben?

Roman: Besonders wichtig ist mir, dass KI als Lernbegleiter genutzt und anerkannt werden sollte – nicht als verbotene Abkürzung. Lehrkräfte müssen verstehen, dass KI-Tools wie ChatGPT genutzt werden – also sollten sie lehren,wie man damit sinnvoll arbeitet. Es geht nicht darum, Texte einfach von KI schreiben zu lassen, sondern zu verstehen, warum und wie eine KI bestimmte Antworten generiert.

Katharina: Zum Abschluss: Was macht dich in Bezug auf KI und unsere Zukunft optimistisch?

Roman: Wenn es uns gelingt, in dieser digitalen Welt Mensch zu bleiben, haben wir einen entscheidenden Vorteil. Das ist unsere Aufgabe: Technologie nutzen –aber nicht unsere Menschlichkeit verlieren.

Katharina: Ganz genau! Vielen Dank für dieses inspirierende Gespräch. 

Katharina Kohlmayr
Expertin für persönliche Entwicklung
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